Nach Bern und Luzern: Basel hinterfragt die Fuchsjagd
Im Basler Grossen Rat verlangt ein Vorstoss eine wissenschaftliche Überprüfung der Fuchsjagd und verweist auf den Kanton Genf, der seit über fünfzig Jahren ohne Hobby-Jagd auskommt.
In den beiden Basel wurden im Jagdjahr 2024 679 Rotfüchse erlegt, 676 davon im Landkanton.
Schweizweit kamen im selben Zeitraum rund 20’000 dieser Beutegreifer zur Strecke. Basta-Grossrätin Brigitta Gerber hat dazu eine schriftliche Anfrage eingereicht und fordert eine Prüfung der «wissenschaftlichen Evidenzlage» zur Fuchsjagd. Ihre Vermutung: Wäre sich die Bevölkerung dieser Evidenz bewusst, fände die Hobby-Jagd auf den Fuchs im heutigen Ausmass kaum Unterstützung.
Das Amt für Wald und Wild beider Basel will dem laufenden politischen Geschäft nicht vorgreifen, verweist aber darauf, dass ein grosser Teil der Tiere wegen Krankheit erlegt werde. Genau dieses Argument ist der Kern des Streits. Der Kanton Luzern, der als einziger Schweizer Kanton eine Krankheitsstatistik beim Fuchs führt, registrierte im Jagdjahr 2018/19 unter 2’217 erlegten Tieren nur 39 kranke Füchse, also 1,76 Prozent. Knapp 98 Prozent waren gesund und wurden auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler entsorgt.
Was die Forschung zur Fuchsjagd zeigt
Seit über dreissig Jahren belegen mindestens 18 wildbiologische Studien, dass die Fuchsjagd Bestände weder dauerhaft senkt noch Krankheiten eindämmt. Frei werdende Reviere werden umgehend durch Zuwanderung besetzt, und bejagte Populationen reagieren mit höheren Geburtenraten. Im Bayerischen Nationalpark, wo Füchse nicht bejagt werden, liegt die Wurfgrösse bei rund 1,7 Welpen pro Füchsin, in intensiv bejagten Revieren etwa dreimal so hoch. Selbst der Abschuss von drei Vierteln eines Bestands ist im Folgejahr wieder ausgeglichen. Diese Selbstregulation ist in einem eigenen Dossier ausführlich dokumentiert.
Auch das Gesundheitsargument hält der Prüfung nicht stand. Die Tollwut wurde in der Schweiz mit Impfködern getilgt, nicht mit dem Gewehr. Beim Fuchsbandwurm zeigte eine vierjährige Untersuchung im Raum Nancy das Gegenteil des Erwarteten: Trotz um 35 Prozent gesteigertem Jagddruck schrumpfte der Bestand nicht, die Befallsrate stieg im Testgebiet von 40 auf 55 Prozent. Als wirksam gelten dagegen Entwurmungsköder, die im bayerischen Landkreis Starnberg das Infektionsrisiko um 97 bis 99 Prozent senkten. Hinzu kommt: Ein Fuchs vertilgt jährlich Tausende Mäuse, die wichtigsten Wirte für Zecken. Wer den Mäusejäger dezimiert, erhöht tendenziell das Risiko für Borreliose und FSME.
Genf und Luxemburg liefern den Praxisbeweis
Der Kanton Genf hat die Milizjagd 1974 per Volksabstimmung abgeschafft. Seither regulieren professionelle Wildhüterinnen und Wildhüter die Wildbestände, in der jüngsten Saison wurde kein einziger Fuchs zum Freizeitvergnügen erschossen. Das gesamte Wildtiermanagement kostet rund eine Million Franken pro Jahr, umgerechnet etwa eine Tasse Kaffee pro Einwohnerin und Einwohner. Die Biodiversität ist seit 1974 gestiegen, die Schalenwildbestände sind stabil, und die Wildschäden bewegen sich im langjährigen Mittel auf dem Niveau vergleichbarer Kantone mit Hobby-Jagd. Genau darauf verweist auch Gerber: «Genf macht ein hervorragendes und erfolgreiches Wildtiermanagement seit über 40 Jahren.»
Luxemburg schützt den Fuchs seit 2015 ganzjährig. Eine Bestandsexplosion blieb aus, die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm sank sogar deutlich. Im Schweizerischen Nationalpark ist jede Jagd seit 1914 untersagt, ohne dass eine Tierart ausgestorben wäre. Das oft gehörte Argument, das Genfer Modell sei eine nicht übertragbare Ausnahme, lässt sich angesichts dieser Befunde nicht halten.
Teil einer schweizweiten Welle
Der Basler Vorstoss steht nicht allein. Beide Basel gehören zu den Revierjagdkantonen, in denen Jagdgesellschaften ihre Reviere pachten. Parallel zur Anfrage im Grossen Rat liegt der Baselbieter Regierung eine Petition des Luzerner Juristen Pascal Wolf vor, der in über zwölf Kantonen ähnliche Vorstösse eingereicht hat. Das Amt beider Basel hat eine Stellungnahme für Juni 2026 angekündigt.
Andernorts ist die Reaktion der Behörden ernüchternd. Der Berner Regierungsrat lehnte am 6. Mai 2026 eine parteiübergreifende Motion ab, die einen wissenschaftlich begleiteten Verzicht auf die Fuchsjagd erproben wollte. Über das Geschäft entscheidet nun der Grosse Rat, voraussichtlich in der Herbstsession 2026. Im Kanton Luzern wies die zuständige Kommission die Petition Wolfs ohne Anhörung ab. Die Frage, die Gerber in Basel stellt, bleibt damit so aktuell wie unbeantwortet: Erfüllt die Fuchsjagd überhaupt die Zwecke, die ihr zugeschrieben werden?
